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Mrz 2011

Reaktorunfälle in Japan

Ich möchte zu den beunruhigenden Ereignissen in Japan Stellung nehmen , welche auch für unsere Arbeit Folgen haben werden:

Infolge des schweren Erdbebens in Japan sind eine Reihe von Kernkraftwerken schwer beschädigt worden. In den Blöcken 1 und 3 im KKW Fukushima sind durch vollständigen Ausfall der Kühlung (wegen Netzausfall und kurz darauf Überflutung der Notstromgeneratoren) die Hüllen der Brennstäbe innerhalb des Reaktors teilweise zerstört worden. Wegen der großen Hitze wurde das Wasser im Reaktor an dem Zirkonium der Brennstäbe chemisch reduziert – es entstanden große Mengen an Wasserstoff, die im Block 1 und vor wenigen Stunden auch im Block 3 zu einer Explosion und infolge zur Zerstörung des oberen Teils des Reaktorgebäudes führten (=secondary containment)


Die Reaktordruckgefäße beider Anlagen konnten den großen Kräften widerstehen, jedoch mußten bereits mehrfach Druckentlastungen in die Atmosphäre vorgenommen werden – mit erheblicher aber vergleichsweise geringer Freisetzung an radioaktiven Stoffen. Da die Reaktoren in Japan nicht wie die in Tschernobyl mit Graphit (Kohlenstoff), sondern nur mit Wasser gefüllt sind, kam es nicht zu einem verheerenden Reaktorbrand wie in Tschernobyl und also nicht zu einer sofortigen Freisetzung größter Mengen von radioaktiven Zerfallsprodukten. Es bleibt zu hoffen, daß es den Reaktorfahrern in Japan auch weiterhin gelingen möge, eine Zerstörung der Reaktordruckgefäße abzuwenden. Dies wird derzeit durch Kühlung der Druckbehälter von aussen mittels Meerwasser aus Feuerwehrpumpen versucht.

Einzelheiten der Störfallabläufe werden auf Wikipedia gut und nachvollziehbar beschrieben.

Die Mitteilungen von TEPCO (Tokyo Electric Power Company), dem Betreiber der Reaktoren, werden hier veröffentlicht (in englischer Sprache). Lange Ladezeiten beim Herunterladen sind normal.

Die Reaktorunfälle in Japan werden werden den Druck auf die Nutzung Erneuerbarer Energie, voran Windkraft, deutlich erhöhen. Für uns bedeutet dies, in einem härter werdenden Umfeld bei gleichzeitig wachsenden Möglichkeiten noch zielstrebiger tätig zu werden. Seit dem 11. März 2011 ist unsere Verantwortung für die Energiesicherheit noch einmal deutlich gewachsen.

Ich wünsche uns allen gemeinsam, daß diese Störfälle beherrschbar und nur eine deutliche Mahnung bleiben.
Jörg Müller

Kategorie: Allgemein, Interviews und Gespräche

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5 Kommentare

  1. Lisa Anderson sagt:

    Liebe Chat-Teilnehmer,

    wir bedanken uns für Ihre Teilnahme am Live-Chat, den wir nun beenden möchten.
    Selbstverständlich können Sie weiterhin Fragen stellen und debattieren. Jörg Müller wird Ihnen zeitnah antworten – nur nicht mehr heute im Live-Chat.

    Freundliche Grüße,
    Lisa Anderson

    ENERTRAG

  2. @Johannes Kraemer

    Ich denke, dass Japan soviel Kernkraft hat, ist eine Folge des Denkes unserer Väter, nämlich, daß der Mensch die Natur beherrschen kann. Diese Denkweise stirbt mit der Kernenergie. In Japan mag noch die Mentalität eine Rolle spielen. Ich beobachte übrigens eine gewisse Regel: je freier eine Nation ist, um so weniger setzt sie auf Kernkraft.
    Gerade für die Nutzung Erneuerbarer Energien bedarf es eines hohen Maßes an Freiheit, denn nur wenn eine große Zahl an Menschen und also Unternehmen bereit und in der Lage ist, diese Energiequellen zu nutzen, dann wird dies auch mit der nötigen Geschwindigkeit getan.

    Ich denke, niemand wird jemals wieder ernsthaft behaupten können, Kernenergie sei sicher. Solche Politiker dürften keine Chance mehr bekommen, weil das keine Mehrheit mehr glaubt.
    Und ich gebe Ihnen völlig Recht: wir werden jetzt viel nachdenken müssen, wie wir am besten mit den vielen Windmühlen künftig leben wollen.

  3. Fukushima – Fragen

    Am Freitag, den 11.März2011 wurde Japan von einer verheerenden Naturkatastrophe heimgesucht, die sich aber noch mehr zu einer von Menschenhand gemachten, nämlich atomaren Katastrophe entwickelt.
    Die Menschen in Japan werden sich die Fragen, die mir durch den Kopf gehen, jetzt nicht stellen können, soweit es ums unmittelbare Überleben und um die Trauer um Verstorbene geht. Wir hier, die wir aus sicherer Distanz unmittelbar keine Hilfe und keine Ratschläge geben können, müssen uns die Fragen stellen:
    • Wie kommt es, dass ein Land, in dem als einzigem im August 1945 durch eine verbrecherische Regierung (Truman, USA) Atombomben auf zwei Großstädte geworfen wurden, an deren Spätfolgen noch heute viele Menschen leiden – wie kommt es, dass dieses Land sein eigenes Gebiet mit 54 Atomkraftwerken und deren permanent erzeugten radioaktiven Abfallstoffen verseucht hat, angeblich weil das Land rohstoffarm ist?
    • Wie kommt es, dass eine Bevölkerung, die das Gedenken an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki kontinuierlich pflegt, gegen diese Politik der Atomwirtschaft keine starke soziale Bewegung entwickelt hat, obwohl die Schädigung durch radioaktive Stoffe immer deutlicher geworden ist?
    • Wie kommt es, dass ein Land, das als hochentwickelt gilt mit sehr ausgeprägter technischer Intelligenz und auch hohem kulturellem Niveau sich so wenig in der Lage gezeigt hat, alternative Energiequellen, die die Natur des Landes bietet und die viel weniger erdbebenanfällig sind, zu entwickeln und zu nutzen: Wind, Sonne, Biogas, Gezeiten u.a.?
    Für die gegenwärtige Katastrophe, deren Ausmaß immer noch nicht genau absehbar ist, kommen diese Fragen zu spät, werden aber hoffentlich nach einer Phase der notdürftigen Wiederherstellung dringend gestellt.
    • Schließlich, was uns betrifft:
    Was denken sich bei uns hier Menschen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, die nach kurzem Luftholen wieder die Sprüche von eh und je hervorholen:
    - Unsere AKW sind sicher, obwohl die vielen mehr oder weniger gravierenden Störfälle das Gegenteil beweisen.
    - In Mitteleuropa kann das ja überhaupt nicht passieren, weil wir kein Erdbebengebiet und Zunamis völlig ausgeschlossen sind. In Japan hat es bisher auch zwar Erdbeben, aber nie ein so starkes gegeben, außerdem sind andere, nicht vorhersehbare Katastrophen (Flugzeugabstürze, Terroranschläge) durchaus reale Fakten.
    - Aus diesem Kreis von Menschen gibt es immer noch einige, die behaupten, wir in Deutschland könnten solche Katastrophen beherrschen und auch die Endlagerung von radioaktiven Abfällen für Tausende von Jahren würde man noch in den Griff bekommen; wenn das nicht so wäre, würde man alle AKW ja sofort abschalten.
    - Es ist zwar erwiesen, dass es möglich wäre, bei einiger wissenschaftlicher und ökonomischer Anstrengung und – entsprechender politischer Einsicht – alle AKW und auch die Kohlekraftwerke durch regenerative Energie zu ersetzen, aber viele Menschen finden z.B. Windräder hässlich, deshalb dürfen solche z.B. in Südhessen, das vom AKW Biblis beherrscht wird, nicht aufgestellt werden, obwohl auch hier ausreichend Wind vorhanden wäre.
    Ich hoffe, dass die schreckliche Katastrophe in Japan wenigstens die gute Folge hat, dass mehr Menschen,hier und anderswo und auch in CDU und FDP, wirklich anfangen, nachzudenken.

  4. Die Frage haben wir gelöst: Mit dem Hybridkraftwerk können wir Windenergie speichern und bedarfsgerecht bereitstellen.

    Mehr Infos zum Hybrdikraftwerk : https://www.enertrag.com/projektentwicklung/hybridkraftwerk.html

  5. Bernd Overkamp sagt:

    Kann Windkraft wirklich die Kernenergie ersetzen? Was ist mit der Speicherung der Energie zur bedarfsgerechten Stromversorgung?

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